Brauchen wir Schlaf, um gesund zu bleiben?

Jeden Abend schalten wir das Licht aus, ziehen die Vorhänge zu, begeben uns in unser Bett, schließen unsere Augen und schlafen ein. Etwa ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir schlafend. Ist Schlaf verschwendete Zeit, oder sind wir auf ihn angewiesen?

Tierversuche und unsere Lebenserfahrung sagen uns, dass wir den Schlaf zwingend benötigen. Bereits in den 1980er-Jahren wurde ein Versuch mit Ratten durchgeführt, der die Notwendigkeit des Schlafes bewies. Ratten wurden konsequent vom Schlaf abgehalten – nach zweieinhalb Wochen starben sie. Doch warum müssen wir schlafen? Wie profitieren wir von diesem Zustand?

Schlaf: Unsere nächtliche Erholungsphase

Sobald wir schlafen, beginnt unser Körper damit, sich zu erholen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er sich auf das Aufrechterhalten lebensnotwendiger Funktionen beschränkt und alle anderen Tätigkeiten einstellt. Viel mehr finden während des Schlafes die wichtigsten Regenerations- und Reparationsmechanismen statt. Eiweiße werden aufgebaut und freie Radikale, die unser Erbgut schädigen können, eliminiert. Psychologen vermuten jedoch, dass diese „Aufräumarbeiten“ des Körpers nicht der einzige Grund für die Notwendigkeit des Schlafs sein können, da für sie keine Abschaltung des Bewusstseins nötig wäre.

Eine der Hauptursachen für die zwingende Notwendigkeit des Schlafens muss also im Gehirn zu finden sein. Tatsächlich konnten Psychologen beweisen, dass dort während des Tiefschlafs Vorgänge ablaufen, die bei vollem Bewusstsein nicht möglich wären: Erinnerungen, die im Hippocampus zwischengespeichert werden, werden ins Großhirn überspielt. Im wachen Zustand wäre dieser Transfer nicht möglich, da er die Reizverarbeitung derart stören würde, dass wir halluzinieren würden.

Menschen, die vom Schlafen abgehalten werden, können sich tatsächlich schlechter an Erlebtes und Gelerntes erinnern, was Forscher der Universität Lübeck in einem Versuch nachweisen konnten. Wir müssen also schlafen, um Erinnerungen dauerhaft abspeichern zu können.

Neben diesen Sortierarbeiten im Gehirn und den im Körper ablaufenden Reparaturmechanismen finden während des Schlafs noch mehr wichtige Vorgänge statt. So werden etwa Hormone produziert und das Immunsystem wird gestärkt. Auch der Abbau der tagsüber entstandenen Stoffwechselprodukte findet verstärkt statt, wenn wir schlafen.

Für Kinder ist der Schlaf besonders wichtig

Je älter wir werden, desto weniger Schlaf benötigen wir. Dies ist zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass während des Schlafs Wachstumshormone ausgeschüttet werden. Schlafen Kinder nicht ausreichend, wird ihre normale Entwicklung beeinträchtigt. Kinder wachsen also tatsächlich im Schlaf, da die für das körperliche Wachstum benötigten Hormone während dieser Zeit verstärkt ausgeschüttet werden.

Wer nicht schläft, schädigt seinen Körper also enorm. Bereits bei einem leichteren Schlafmangel bekommen wir diese Auswirkungen zu spüren: Wir fühlen uns müde, reizbar und antriebslos. Auch die Konzentration und unser allgemeines Wohlbefinden leiden, wenn wir nicht ausreichend schlafen.

Warum wir schlafen müssen, konnte von der Forschung noch nicht abschließend geklärt werden. Fest steht jedoch, dass unser Gehirn während des Schlafs sortiert wird und dass in unserem Körper wichtige Vorgänge ablaufen, die der Regeneration dienen.

Schlafen wir zu wenig, werden wir häufiger krank und fühlen uns allgemein schlechter. Schlafen wir 24 Stunden lang nicht, ist unsere kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt – ähnliches tritt bei einem Alkoholpegel von 0,85 Promille auf. Bei einem Schlafentzug von 48 Stunden kann es gar zu Halluzinationen und Gedächtnislücken kommen.

Um gesund zu bleiben, müssen wir also tatsächlich in ausreichendem Maße schlafen.

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