Haustiere und die menschliche Gesundheit

Die Entscheidung, ein Haustier anzuschaffen, fällt selten spontan. Vor der Anschaffung werden zahlreiche Pros und Contras verhandelt – entweder mit Familienangehörigen und Mitbewohnern, oder im Dialog mit sich selbst. Ein wesentlicher Punkt, der dabei häufig vergessen wird, sind die gesundheitlichen Faktoren. Haustiere wirken sich auf vielfältige Weise auf die menschliche Gesundheit aus. Der folgende Artikel soll einen Überblick über diese Auswirkungen bieten. So finden Sie beispielsweise Antworten auf die Fragen, ob Haustierhalter seltener krank werden, welche Erkrankungen durch Tiere positiv beeinflusst werden und für wen Haustiere nicht unbedingt geeignet sind.

Ein Tier ist kein Medikament: Das Haustier ernstnehmen und auf seine Bedürfnisse eingehen

Vor dem Fällen der Entscheidung sollte man klären, ob man physisch und psychisch in der Lage ist, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen und sich um dieses zu kümmern. Ein Haustier braucht ähnlich wie ein Kind Zuneigung und muss gepflegt werden. An dieser Stelle wird bereits deutlich, dass ein Haustier niemals aus egoistischen Gründen angeschafft werden sollte – wer das Tier lediglich als Hilfe bei der Bewältigung einer Krankheit sieht oder es auf anderem Wege auszunutzen gedenkt, sollte von einem Kauf absehen. Haustiere wirken sich zwar äußerst positiv auf die physische und psychische Gesundheit aus; sie stellen jedoch auch viele Forderungen an ihren Besitzer, die erfüllt werden müssen, soll die Beziehung beidseitig als gelungen betrachtet werden. Auch bei körperlichen Beeinträchtigungen sollte vor einem Kauf bedacht werden, für welches Tier man tatsächlich wird sorgen können.

Es sollte Freude bereiten, sich den Bedürfnissen des Tieres zu widmen und auf dieses einzugehen. In jedem Falle ist es unverantwortlich, ein Tier nur aus Eigennutz aufzunehmen. Ein Tier ist kein Mittel oder Medikament, welches bei einer Erkrankung angeschafft werden sollte, um dem Menschen zu helfen. Vielmehr beruht die ganze Beziehung auf Gegenseitigkeit – der Mensch gibt dem Tier seine Aufmerksamkeit und im besten Falle seine Liebe und erhält von diesem ebenfalls Zuneigung zurück. Diese Beziehung zwischen Mensch und Tier ist letztendlich auf psychischer Ebene heilsam und wertvoll für beide Parteien. Der Halter sollte sich also der Tatsache bewusst sein, dass er mit seinem Verhalten großen Einfluss auf sein Haustier nimmt und es entsprechend gut behandeln muss.
Ein Tier fordert echte Zuneigung. Wer keine liebevolle Beziehung zu einem Tier eingehen will, sollte trotz der zahlreichen positiven Effekte also auf den Kauf eines Haustiers verzichten.

Haustiere und menschliche Gesundheit
Haustiere haben einen positiven Einfluss auf die menschliche Gesundheit – aber auch eigene Bedürfnisse

Der Einfluss eines Haustiers auf die menschliche Psyche

In jedem Falle sind Haustiere eine Hilfe bei Einsamkeit. Ob jung oder alt: das Haustier bietet Gesellschaft – und das beruht auf Gegenseitigkeit. Genauso wie der Mensch benötigen auch Tiere Zuneigung und Beschäftigung mit anderen Lebewesen. Mit den Tieren kann kommuniziert werden – auch wenn sie nicht verbal antworten können, antworten sie auf anderem Wege. Eine Studie mit Altenheimbewohnern und Langzeitarbeitslosen hat ergeben, dass der Besitz von Tieren zu einem geregelteren Tagesablauf führte. Die neue Aufgabe führte zudem dazu, dass die Probanden ihr Leben als sinnvoller erfuhren.

Haustierbesitzer lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich um das Tier zu kümmern. Weiterhin profitieren sie auf ganz anderem Wege: Tiere sind unvoreingenommen gegenüber Menschen. Sie bauen eine Beziehung zu ihrem Halter auf – unabhängig davon, ob dieser nun krank, behindert oder anderweitig beeinträchtigt ist. Der Mensch fühlt sich angenommen und merkt, dass das Tier ihn mag und positiv auf ihn reagiert. Dies wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Auch das Spielen mit dem Tier steigert die Stimmung. Hierbei konnte in Untersuchungen eine erhöhte Ausschüttung sog. Glückshormone beobachtet werden. Der Kontakt zu Tieren stimuliert also eine Hirnfunktion, die dafür sorgt, dass wir uns gut fühlen. Andersherum profitiert auch das Tier, welches seinerseits Aufmerksamkeit und Zuneigung vom Menschen erfährt.

Haustiere bei Depressionen

Auch bei Depressionen sind Haustiere nützliche Helfer. Das Tier zwingt den Depressiven, trotz seines starken Antriebsmangels, der niedergedrückten Stimmung und dem Gefühl alles erdrückender Sinnlosigkeit Struktur in den Tag zu bringen. Das Haustier muss schließlich in jedem Falle gefüttert, im Falle eines Hundes auch ausgeführt werden. Der Hund verhindert in diesem Falle die zunehmende Isolation des Depressiven. Weiterhin wirkt der Kontakt zu den Haustieren auch bei einer Depression stimmungsaufhellend. Selbstverständlich kann das Haustier keine Therapie ersetzen – es stellt jedoch einen positiven Faktor dar und kann den Verlauf günstig beeinflussen.
Trotz der zahlreichen positiven Effekte sollte vor der Entscheidung für den Kauf eines Haustiers geprüft werden, ob die betreffende Person stabil genug ist, für die Belange des Tiers zu sorgen. Bei einer schweren Depression besteht beispielsweise die Gefahr, das Tier zu vernachlässigen – nicht aus Böswilligkeit, sondern aufgrund der extrem ausgeprägten Symptomatik, die beinahe jegliche Aktivität verhindert.

Haustiere helfen, Stress zu reduzieren

Haustiere reduzieren Stress

Haustiere können auch bei der Entspannung mitwirken. Besonders bei gestressten Personen ist es hilfreich, wenn sie sich jeden Tag etwas Zeit für ihr Haustier nehmen und es streicheln. Das Streicheln lässt den Puls sowie den Blutdruck sinken. Die Tierliebhaber werden deutlich entspannter und können ihren stressigen Alltag zumindest für einen kurzen Moment hinter sich lassen. Darüber hinaus erfahren sie von ihrem Tier Zuneigung, wovon sie wiederum profitieren. So kann beispielsweise das auf eine Streicheleinheit folgende zufriedene Schnurren einer Katze auch beim Tierhalter zu gesteigertem Wohlbefinden führen.
An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass auch in Deutschland vermehrt „Bürotiere“ existieren. Firmen schaffen immer häufiger Hunde für das Büro an, da sie merken, dass die Mitarbeiter deutlich profitieren. So sinkt beispielsweise der Krankenstand und die Mitarbeiter fühlen sich zufriedener und weniger gestresst. Diese Entwicklung ist jedoch nicht ausschließlich positiv zu betrachten, wie etwa diese Kolumne zeigt.

Hundehalter profitieren von gestärktem Immunsystem

Die Haltung eines Hundes kann sich positiv auf das Immunsystem auswirken. Dies ist nicht nur direkt auf den Hund, sondern auch auf die Tatsache, dass dreimal täglich ein Spaziergang mit dem Hund vorgenommen werden sollte, zurückzuführen. Da der Hund auch bei Sturm, Hagel und Hitze seine Bewegung braucht, ist der Mensch gezwungen, sich regelmäßig im Freien aufzuhalten. Er bewegt sich deutlich mehr und kann durch die langen Spaziergänge auch an Gewicht verlieren. All das wirkt sich positiv auf den gesamten Körper aus. So sind Hundehalter statistisch gesehen beispielsweise seltener krank als Menschen ohne Haustiere. Weiterhin helfen sie dabei, fit zu bleiben. Durch die Sonneneinstrahlung, der Hundebesitzer bei ihren alltäglichen Spaziergängen ausgesetzt sind, wird zudem die Bildung des Vitamins D3 in der Haut angeregt. Dieses Vitamin, an dem es vielen Menschen in westlichen Industrieländern mangelt, trägt unter anderem zur normalen Funktion des Immunsystems bei. Darüber hinaus wirkt dieses Vitamin der sog. Winterdepression – gekennzeichnet durch Antriebsmangel und gedrückte Stimmung in der dunklen und kalten Jahreszeit – entgegen.

Sonstiges: Tiere in der Therapie, bei Kindern und als Helfer für Sehbehinderte

In der Therapie behinderter und psychisch kranker Menschen kommen recht häufig Tiere zum Einsatz. Im Kontakt mit den tierischen Gefährten lernen die Patienten verschiedenste Dinge. So erfahren sie zum einen Zuneigung und entwickeln Vertrauen zum Tier. Auf der anderen Seite erfahren sie Verantwortung für ein Lebewesen. Auch die emotionale Bindung an das Tier, die sich im Laufe der Therapie zunehmend entwickelt, kann therapeutisch wirksam sein.

Besonders beliebt sind Reit- und Delfintherapien, wobei letztere aus Tierschutzgründen umstritten ist. Daneben kommen sehr häufig Therapiehunde zum Einsatz.
Auch für Kinder sind Haustiere bedeutsam. Im frühen Alter lernen sie Verantwortung für das Tier zu übernehmen. Auch die emotionale Bindung an das Tier ist bedeutsam.
Sehbehinderte Personen schaffen sich häufig einen Hund an, der ihnen im Alltag hilft. Diese als Blindenhunde bekannten Tiere werden geschult, um den Personen eine Stütze zu sein. Sie helfen ihnen auf der Straße, beschützen sie und können sogar im Haushalt helfen.

Achtung: Allergien sind nicht selten

Tierfelle, -haare oder -federn können beim Menschen allergische Reaktionen hervorrufen. Vor dem Kauf eines Haustieres oder – noch besser – vor den Überlegungen, welches Tier angeschafft werden soll, ist es ratsam, einen Allergietest beim Hausarzt durchführen zu lassen. Ist eine Allergie gegen das Fell eines bestimmten Tieres vorhanden, kann dieses sofort von der Liste gestrichen werden. In diesem Falle sollte man sich der Gesundheit wegen für ein anderes Haustier entscheiden. Eine Hyposensibilisierung kann die Allergie langfristig beseitigen.

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