Hypnotherapie: Was ist das eigentlich?

Unter Hypnose stellen sich viele Menschen ein eher gruselig anmutendes Verfahren vor und denken dabei vor allem an Show- und Bühnen-Hypnosen. Dabei vermag die Hypnose bei der Heilung diverser vor allem psychischer und psychosomatischer Erkrankungen zu helfen. Die Hypnotherapie erfreut sich nicht nur in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Ihre Wirkung wird mittlerweile durch diverse Studien auch naturwissenschaftlich-empirisch untermauert.

Was ist Hypnose?

Diese Frage klingt simpel, ist jedoch nur schwer treffend zu beantworten. Zunächst muss zwischen zwei unterschiedlichen, aber miteinander verbundenen Dingen, die beide als Hypnose bezeichnet werden unterschieden werden – zwischen der Induktion der Hypnose und der hypnotischen Trance. Die Induktion ist die Einleitung der Hypnose, während die hypnotische Trance, der Zustand ist, der erreicht werden soll. Wird davon gesprochen, dass jemand sich in Hypnose befindet, befindet er sich in hypnotischer Trance.

Was ist die hypnotische Trance?

Bei der hypnotischen Trance handelt es sich vereinfacht ausgedrückt um einen veränderten Bewusstseinszustand. In diesem veränderten Bewusstseinszustand, der schlafähnlich ist, ist die Kritikfähigkeit des Wachbewusstsein herabgesetzt. Diese herabgesetzte Kritikfähigkeit soll den Zugriff auf ansonsten verborgene Teile der Psyche – auf das Unbewusste – ermöglichen. So ist es in Trance leichter, die Ursache von Ängsten oder Süchten herauszuarbeiten und Traumata zu verstehen. Ansonsten verborgene Erinnerungen können in der Hypnose hervorgeholt werden, Verhaltensmuster lassen sich besser verstehen und der Patient kann ein besseres Verständnis für die Ursachen seiner Beschwerden erlangen.

Wie wird die hypnotische Trance eingeleitet?

Es gibt verschiedene Wege der Hypnose-Induktion. Das in Filmen immer wieder vorkommende Pendel, auf das gestarrt wird, bis die Augen schwer werden, kommt dabei kaum zum Einsatz. Der Hypnotiseur arbeitet in aller Regel mit Suggestionen. Hinzu kommen vielfach entspannende Musik und Entspannungsverfahren. Die Trance gelingt schließlich nur, wenn der Patient sich sicher und geborgen fühlt – oder wenn ihm diese Gefühle suggeriert werden.

Der Hypnotiseur sorgt zunächst, dafür, dass der Patient sich geborgen und sicher fühlt. Er arbeitet mit Suggestionen, um die Aufmerksamkeit des Patienten immer mehr nach innen zu lenken. Hierbei setzt er in der Regel auf beruhigende Worte, Beschreibungen des Wahrgenommenen und bietet dem Patienten suggestiv an, sich langsam aber sicher in die Trance zu begeben. Er weist darüber hinaus auf das veränderte Erleben und Bewusstsein des Patienten hin – dieser wird darauf aufmerksam, wodurch die beginnende Trance sich verstärkt.

Die Einleitung der Trance ist durch immer weiter zunehmende Entspannung bei gleichzeitig allgemein abnehmender Aufmerksamkeit geprägt. Der Hypnotiseur lenkt die Aufmerksamkeit des Patienten nach innen und im Rahmen der Therapiesitzung auf ein bestimmtes Thema.

Was passiert in der Hypnotherapie?

Hypnotherapeuten arbeiten mit unterschiedlichsten Methoden. Während einige rein auf die Wirkung der Hypnose setzen, kombinieren viele andere die Hypnose mit anderen psychotherapeutischen Methoden. Der Therapeut arbeitet an den Beschwerden des Patienten und versucht, die Ursachen aufzudecken. In der hypnotischen Trance gelingt dies wesentlich leichter als im normalen Wachzustand, da die Kritikfähigkeit des Bewusstseins stark herabgesetzt ist. Therapeut und Patient erhalten Zugang zu Inhalten, die normalerweise verborgen und dem Patienten nicht zugänglich sind. So kann auch auf Traumata und Verdrängtes zugegriffen werden.

Das reine Aufdecken genügt in der Regel jedoch nicht, um die aus den aufgedeckten Inhalten resultierenden Beschwerden zu heilen. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich nur von qualifizierten Personen hypnotisieren zu lassen. Andernfalls könnte die Hypnose sogar schaden: Kann der Therapeut den Patienten im Umgang mit dem Aufgedeckten nicht anleiten, wird der Patient sich hilflos und überfordert fühlen – schließlich werden Traumata nicht umsonst verdrängt und dem Bewusstsein unzugänglich gemacht.

Von Show-Hypnosen ist aus diesem Grund strikt abzuraten. Die Hypnotisierten könnten auch im Rahmen der Show-Hypnose mit Inhalten konfrontiert werden, die ihnen normalerweise nicht zugänglich sind. Kann der Hypnotiseur ihnen beim Verarbeiten keine Hilfestellung bieten, kann die Hypnose Schaden anrichten. Ein qualifizierter Hypnotherapeut verfügt anders als der Show-Hypnotiseur über das nötige Rüstzeug, sodass therapeutische Hypnose von großem Nutzen sein können.

In der Trance arbeitet der Hypnotherapeut häufig mit inneren Bildern und weiteren Suggestionen. Er regt die Vorstellungskraft des Patienten an, was meist dazu führt, dass eine einfachere Arbeit am Problem des Patienten möglich wird. Die eingesetzten Techniken sind individuell jedoch sehr unterschiedlich, sodass hier keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden können. Sie unterschieden sich sowohl je nach Therapeut als auch je nach Beschwerdebild des jeweiligen Patienten. In jedem Falle arbeiten Therapeut und Patient mit den inneren Ressourcen des Patienten. Diese sollen erkannt und im Kontext des angestrebten Therapieziels gewinnbringend eingesetzt werden. Die Hypnosearbeit hilft also auch dabei, die Fähigkeiten und Ressourcen des Patienten zu erkennen, was für diesen meist bereits einen enormen Fortschritt darstellt.

Zum Ende der Therapiesitzung wird die Trance aufgelöst. Hierbei begleitet der Therapeut den Patienten ebenso wie bei der Induktion der Trance. Die sog. Exduktion wird durch eine Rückorientierung durchgeführt – vielfach wird der Patient aufgefordert, die Augen zu öffnen, tief einzuatmen und sich zu strecken. Er kommt wieder in seiner Umgebung an und verlässt den inneren Raum, in dem er sich während der Trance befand.

Kann der Hypnotherapeut mit mir machen, was er will?

Eine der größten Befürchtungen der meisten Menschen besteht darin, dem Hypnotiseur in Trance hilflos ausgeliefert zu sein. Diese Angst ist jedoch unbegründet. Die Kritikfähigkeit des Bewusstseins ist zwar stark gemindert, aber nicht komplett verschwunden. Versucht der Hypnotiseur etwas, das dem Patienten vollkommen widerstrebt, wird das Bewusstsein sich mit Kritik zurückmelden. Der Hypnotiseur kann daher ausschließlich Dinge tun, mit denen der Patient einverstanden ist. Andernfalls kommt es zu Widerständen, die das Vertiefen der Trance unmöglich machen – die Hypnose endet dann.

Einigen Menschen bereitet es derartiges Unbehagen, überhaupt in Trance versetzt zu werden, dass es extrem schnell zu Widerständen kommt. Bereits das Eintauchen in tiefe Trance ist dann nicht möglich.

Ist jeder Mensch hypnotisierbar?

Die Antwort auf diese Frage differiert in Abhängigkeit von der Person, der sie gestellt wurde. Einige Menschen sind weit besser empfänglich für Suggestionen als andere. Darüber hinaus kommt es bei einigen Menschen bereits bei der Tranceeinleitung zu Widerständen, was eine tiefe Hypnose verhindert. Es kann also festgehalten werden, dass nicht jeder Mensch gleich gut hypnotisierbar ist.

Wann wird Hypnotherapie eingesetzt?

Hypnotherapeutische Methoden werden – meist in Kombination mit anderen psychotherapeutischen Techniken – heute bei zahlreichen Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt. Die nachfolgende Liste soll einen kurzen Überblick geben.

• Ängste und Angststörungen
• Zwangsstörungen
• Süchte
• Depressionen
• Essstörungen
• Chronische Schmerzen
• Psychosomatische Beschwerden
• Akute Schmerzen

Wie wirkt Hypnose?

Auch die Frage nach den Wirkmechanismen ist nicht eindeutig zu klären. Auf biologischer Ebene sind Veränderungen der Hirnströme zu beachten. In Trance werden Beta- von Alphawellen abgelöst, was bei tiefer Entspannung der Fall ist. In tiefer Trance können auch Thetawellen dominieren.

Eher tiefenpsychologisch betrachtet ist davon auszugehen, dass der Zugang zum Unbewussten durch die Hypnose in einem gewissen Rahmen geöffnet wird.

 

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