Meditation: Wirkung auf Körper und Geist

Hierzulande haftet der Meditation ein zweifelhafter Ruf an. Sie gilt in der Allgemeinbevölkerung als esoterisch und wird nur selten praktiziert. Viele Menschen wissen nicht, dass immer mehr Psychotherapeuten und Ärzte von der gesundheitlichen Wirksamkeit der Meditation überzeugt sind. Das fernöstliche Entspannungs- und Selbstbeobachtungsverfahren wird zunehmend wissenschaftlich erforscht und kann mit einigen überraschenden Wirkungen punkten. So belegen Studien etwa, dass Meditation Strukturen im Gehirn verändert. Auch andere körperliche Wirkungen konnten in medizinischen Studien nachgewiesen werden. Doch wie genau wirkt Meditation und wie funktioniert das Verfahren?

Was ist Meditation überhaupt?

In der westlichen Welt ist nur wenig Wissen über Meditation und das Meditieren vorhanden. Die Assoziationen beruhen häufig auf Klischees, die in Filmen und durch andere Medien vermittelt werden. Wer sich jedoch näher mit dem Verfahren der Meditation befasst, wird schnell merken, dass das im Westen verbreitete Bild der Meditation nur rudimentäre Gemeinsamkeiten mit dem tatsächlichen Wesen dieses Verfahrens aufweist.

Die Mediation ist zunächst ein Verfahren der Achtsamkeit. Traditionell wird die Meditation beispielsweise von Buddhisten und Yogis ausgeübt. Hierin liegt der Grund für den eher zweifelhaft-esoterischen Ruf, der ihr hierzulande anhaftet. Tatsächlich ist das Meditieren jedoch keineswegs eine religiös-spirituelle Tätigkeit. Wer meditiert, hängt nicht zwangsläufig einem bestimmten Glauben oder einer bestimmten Weltanschauung an. Er beschäftigt sich vielmehr eingehend mit sich selbst und strebt einen Zustand achtsamer Aufmerksamkeit an.

Am bekanntesten ist die sog. Achtsamkeitsmeditation. Diese wird passiv und in beinahe vollkommener Ruhe ausgeübt. Der Meditierende begibt sich in eine angenehme Stellung – meist in den sog. Lotossitz – und begibt sich vollständig in die Gegenwart. Hierzu konzentriert er sich beispielsweise auf seinen Atem und achtet darauf, wie dieser langsamer, ruhiger, wärmer und kälter wird. Diese Konzentration auf den eigenen Atem führt zu einer zunehmenden Entspannung, die letztendlich in den Zustand der Achtsamkeit mündet. Der Meditierende richtet seine gesamte Aufmerksamkeit nach innen. Gedanken werden in diesem Zustand zwar noch wahrgenommen, sie ziehen jedoch vorüber und müssen nicht festgehalten werden. Der Meditierende betrachtet das Hier-und-Jetzt aufmerksam, jedoch ohne Bewertung. Als Resultat des achtsamen Verweilens im Augenblick stellt sich eine tiefe Entspannung ein. Stress, umherspringende Gedanken und Ängste treten während dieser achtsamen Entspannung nicht auf.

Es handelt sich bei der Meditation also um eine auf Achtsamkeit abzielende Methode der körperlichen und geistigen Entspannung, die vollkommen unabhängig von weltanschaulichen und religiösen Überzeugungen praktiziert werden kann.

Was passiert in Körper und Gehirn, wenn wir meditieren?

Die moderne Wissenschaft beginnt immer stärker, sich für die physischen und psychischen Wirkungen der Meditation zu interessieren. Zahlreiche Studien, die beinahe allesamt aus dem letzten Jahrzehnt stammen, untersuchen die messbaren Effekte der meditativen Praxis. Die Ergebnisse sind erstaunlich eindeutig.

Während der meditativen Entspannung wird der Herzschlag verlangsamt, der Atem vertieft und die Muskelspannung nimmt ab. Das Vorhandensein der meditativen Entspannung lässt sich zudem im Hirn in Form veränderter Hirnwellen messen.

Darüber hinaus konnten zahlreiche Studien strukturelle Veränderungen des Gehirns in Folge regelmäßiger Meditation feststellen. So wiesen buddhistische Mönche, die täglich meditieren, in einer Studie etwa eine stärkere Aktivität im linken Stirnlappen sowie 30-mal stärker ausgeprägte Gammawellen als die Kontrollgruppe auf. Eine weitere Studie belegte, dass die Dichte der Nervenzellen im orbitofrontalen Kortex bei Meditierenden höher ist als bei Nichtmeditierenden. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Teile der Großhirnrinde bei meditierenden Probanden dicker waren als bei nichtmeditierenden Probanden.

Eine andere Studie konnte mittels Hirnscans nachweisen, dass die Dichte der grauen Substanz in der Amygdala nach einem achtwöchigen Meditationsprogramm abgenommen hatte, während sie im Bereich des Hippocampus zunahm. Die Amygdala ist für die Verarbeitung von Stress und Angst zuständig; der Hippocampus hingegen für Selbstwahrnehmung und Mitgefühl.
Getestet wurden jeweils Personen, die über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig meditierten.

Achtsamkeit als Mittel gegen Stress, Angst und Depression

Die Praxis der Achtsamkeit ist in den letzten Jahren in den Fokus der Psychotherapie gerückt. Mittlerweile existieren unter anderem die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion sowie die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie. Darüber hinaus vermitteln zahlreiche Psychotherapeuten ihren Patienten das Prinzip der Achtsamkeit und machen sie mit der Meditation vertraut.
Einige Studien weisen darauf hin, dass regelmäßige Achtsamkeitsmeditation bei Depression und Ängsten wirksam ist. Darüber hinaus wird die Meditation häufig als effektives Mittel gegen Stress eingesetzt.

Die Psychologen Keune und Bostanov konnten beispielsweise nachweisen, dass das bei Depressionen typische Grübeln durch regelmäßige Achtsamkeitsmeditation messbar gemindert werden kann. Die depressiven Probanden fühlten sich nach dem achtwöchigen Programm wesentlich besser, konnten klarer denken und zeigten im EEG Veränderungen.

Fazit: Meditation wirkt messbar

Als Fazit lässt sich festhalten, dass Meditation messbare Veränderungen auf physischer und psychischer Ebene verursacht. Probanden, die regelmäßig meditieren, steigern in aller Regel ihr Wohlbefinden. Sie reduzieren Stress und profitieren im Idealfall von antidepressiven und angstlindernden Effekten. Da die Meditationsforschung jedoch noch in den Kinderschuhen steckt, bleiben weitere Studien und Erkenntnisse abzuwarten. Außerdem ist es nicht ratsam, sich in psychischen Krisensituationen alleine auf die Wirksamkeit der Meditation zu verlassen. In solchen Fällen sollte ein Fachmann aufgesucht werden, der die zugrundliegende Erkrankung diagnostizieren und behandeln kann. Meditation scheint sich jedoch als begleitendes Mittel bei Depressionen, Angsterkrankungen und Stress zu bewähren – gestützt durch Befunde der modernen Neurowissenschaft.

Studien und Quellen:

http://www.spiegel.de/spiegelwissen/meditieren-als-mittel-gegen-stress-angststoerungen-depressionen-a-937314.html
https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/46075/pdf/Keune_Bostanov_2013_Achtsamkeit_Depression_Hirnforschung.pdf?sequence=1
http://www.mbsr-training-hamburg.de/pdfs/BR-online_Geist_ueber_Materie.pdf
https://www.heise.de/tp/features/Die-Fahrschule-des-Bewusstseins-3418609.html
https://www.zeit.de/2008/06/P-Ulrich-Ott/komplettansicht
https://news.harvard.edu/gazette/story/2018/04/harvard-researchers-study-how-mindfulness-may-change-the-brain-in-depressed-patients/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2848393/

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