Pollenallergie: Was hilft wirklich?

Allergiker leiden momentan besonders stark. Aufgrund der schon recht früh im Jahr sehr hohen Temperaturen wuchsen Gräser besonders schnell – dementsprechend ist auch die Pollenbelastung bereits jetzt recht hoch. Laufende Nasen, ständiges Niesen, Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein scheinen sich für die Betroffenen kaum vermeiden zu lassen. Der folgende Text zeigt, wie eine Pollenallergie entsteht und was wirklich Abhilfe schafft.

Pollenallergie: Warum sind wir allergisch?

Bevor wir die wichtigsten Mittel und Wege, allergische Beschwerden zu lindern, aufzeigen, klären wir zunächst, warum die Pollen überhaupt Beschwerden auslösen. Schließlich erscheint es uns angesichts der vielen beschwerdefreien Menschen mitunter mysteriös, dass die harmlos anmutenden Pollen uns derart beeinträchtigen.

Die Erklärung der Pollenallergie ist einfach: Das Immunsystem, speziell das für Allergien verantwortliche Immunglobulin E ist unterfordert. Dieses Immunglobulin ist eigentlich für die Abwehr von Parasiten zuständig. Da diese in den westlichen Industrienationen kaum noch zu finden sind, ist dieses Immunglobulin mehr oder minder beschäftigungslos. Als Folge dieser Unterforderung sucht es sich neue Feinde – und findet sie in Form der Pollen. Es handelt sich bei einer Allergie also um eine Störung des Immunsystems, bei der ein Immunglobulin auf Pollen, welche eigentlich harmlos sind, reagiert. Gestützt wird diese These durch die Tatsache, dass allergische Erkrankungen in Ländern der dritten Welt weitgehend unbekannt sind. Außerdem leiden Kinder, die auf dem Land umgeben von Tieren und Blüten aufwachsen, weitaus seltener unter Allergien als in der Stadt aufgewachsene Kinder.

Die in unserer westlichen Welt sehr ernstgenommene Hygiene ist dieser in der wissenschaftlichen Medizin vorherrschenden These zufolge für die Entstehung von Allergien verantwortlich, da sie dafür sorgt, dass das Immunsystem keine angemessenen Aufgaben erhält. Die Neigung zu Allergien kann darüber hinaus vererbt werden.

Wie läuft eine allergische Reaktion ab?

Die Entstehung der Allergie beginnt mit einem Erstkontakt, bei dem eine Sensibilisierung dem Allergen gegenüber stattfindet. Dieser Erstkontakt geht noch nicht mit Symptomen einher. Eine Abwehrzelle unseres Immunsystems nimmt das Allergen auf und leitet es zu einem T-Lymphozyten weiter, welcher daraufhin die B-Lymphozyten dazu veranlasst, sich auf die Bekämpfung dieses Allergens vorzubereiten und sich zu vermehren. Diese B-Lymphozyten produzieren in der Folge Immunglobulin-E-Antikörper gegen das jeweilige Allergen.

Kommen wir erneut mit dem Allergen in Kontakt, ist unser Immunsystem auf diesen vermeintlichen Feind, der gar keiner ist, vorbereitet und beginnt, ihn zu bekämpfen. Im Zuge dessen schüttet unser Körper unter anderem Histamin aus. Dieser Stoff sorgt für die allergischen Symptome, welche allesamt der Abwehr des Allergens dienen. Die Rötung der betroffenen Stelle entsteht aufgrund der vom Histamin veranlassten verbesserten Durchblutung, welche es den Antikörpern vereinfachen soll, zum Ort des Gefechts zu kommen. Niesen und Schleimbildung sollen helfen, die Allergene aus dem Körper hinauszubefördern, während der Juckreiz die Aufmerksamkeit auf die betroffene Stelle lenken soll. Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein hingegen erfüllen keine Abwehrfunktion, sondern sind als „Nebenwirkungen“ der Immunreaktion zu verstehen.

Das Problem besteht also darin, dass die Zellen unseres Immunsystems einen harmlosen Stoff für schädlich halten und beginnen, ihn zu bekämpfen. Diese Fehlfunktion des Immunsystems sollte schnellstmöglich behandelt werden, da bei Nichtbehandlung eine weitere Sensibilisierung eintreten kann. Darüber hinaus bleiben unbehandelte Allergien nicht zwingend auf den Bereich der oberen Atemwege beschränkt. Weitere Erkrankungen – vor allem Asthma bronchiale – können als Folge der Allergie entstehen.

Weitere Beeinträchtigungen können zahlreiche Bereiche des täglichen Lebens betreffen. Schlafstörungen mit Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Lernprobleme, Entzündungen der Nasennebenhöhlen und der Bindehaut, Schnarchen, Kieferprobleme, eingeschränkte Leistungsfähigkeit sowie eine allgemeine Beeinträchtigung der Lebensqualität sind in Folge einer Allergie nicht selten. Bei Kindern werden die schulischen Leistungen häufig schwächer, während Erwachsene in der Arbeit unkonzentriert und ungewohnt leistungsschwach wirken.

Therapie einer Allergie: Hyposensibilisierung

Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Allergie dauerhaft zu beseitigen. Viele Betroffene scheuen die oft langwierige Behandlung jedoch und greifen stattdessen lediglich zu Sofortmaßnahmen. Diese können zwar durchaus Linderung bringen, sind einer ursächlichen Therapie jedoch weit unterlegen.

Die wirksamste Allergiebehandlung ist die sog. Hyposensibilisierung. Diese spezifische Immuntherapie will eine dauerhafte Unempfindlichkeit gegenüber dem Allergen erreichen. Nach abgeschlossener Hyposensibilisierung können die Betroffenen wieder in Kontakt mit dem Allergen treten, ohne das Auftreten von Symptomen befürchten zu müssen. Die Fehlfunktion des Immunsystems kann durch die Behandlung behoben werden.

Im Rahmen der Hyposensibilisierung wird dem Allergiker über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg eine stetig steigende Dosis des Allergens verabreicht. Die Verabreichung kann sowohl sublingual – also unter der Zunge – als auch subkutan – also unter der Haut – erfolgen. Bei sublingualer Verabreichung erhält der Patient Tabletten oder Tropfen, die er sich in den vereinbarten Abständen eigenständig zuführt, während die subkutane Verabreichung via Spritze in der Praxis des Arztes stattfindet.

Die Allergene können entweder in Reinform, also als chemisch unveränderte Substanzen, oder als Allergoide in chemisch veränderter Form auf einer Trägersubstanz verabreicht werden. Die Dosis der verabreichten Allergene steigt stetig. Ist die Maximaldosis erreicht, wird diese in größeren Abständen als Erhaltungsdosis weiterhin verabreicht.

Der exakte Wirkmechanismus der spezifischen Immuntherapie ist bisher nicht bekannt. Im Laufe der Therapie übernehmen die TH1-Lymphozyten die Steuerung des Immunsystems. Zuvor sorgen in der Regel TH2-Helferzellen für die Regulation des Immunsystems. In Studien konnte die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung nachgewiesen werden.

Ein möglichst früher Therapiebeginn ist wichtig, da die Hyposensibilisierung bei Personen, die nur unter einer oder unter wenigen Allergien leiden, meist wirksamer ist als bei anderen Personen.

Hausmittel und Sofortmaßnahmen gegen Allergien

Kurzfristig wirksame Maßnahmen können dennoch sinnvoll sein, um das mit der allergischen Reaktion verbundene Leiden zu lindern. Im Folgenden findet sich eine Übersicht über Medikamente, die sofort wirksam sind, sowie über bewährte Hausmittel, die in der Allergiebehandlung eingesetzt werden können.

Medikamente als kurzzeitig wirksame Mittel gegen eine Pollenallergie
Medikamente als kurzzeitig wirksame Mittel gegen eine Pollenallergie
  • Antihistaminika gegen Heuschnupfen

Antihistaminika sind die wohl bekanntesten Mittel zur Behandlung allergischer Symptome. Bei den Antihistaminika handelt es sich um Medikamente, die an die Histamin-H1-Rezeptoren andocken und so das Andocken des Histamins an diesen Rezeptoren verhindern. Auf diesem Wege wird das Histamin quasi „geblockt“, sodass es nicht wirken kann. Ohne Wirkung des Histamins treten keine allergischen Symptome auf. Die Pollenallergie wird durch die Antihistaminika also nicht behoben. Die Wirkung des ausgeschütteten Histamins wird jedoch unterdrückt, was zu einer deutlichen Verbesserung des Befindens führt.

Ältere Antihistaminika wirken stark sedierend, sodass sie heute kaum noch in der Allergiebehandlung eingesetzt werden. Als Schlafmittel sind sie hingegen verbreitet. Neuere Antihistaminika wirken weniger stark sedierend – leichte Müdigkeit kann als Nebenwirkung jedoch nicht ausgeschlossen werden. Antihistaminika stehen sowohl in Form von Tabletten als auch in Form von Nasensprays zur Verfügung. Die Anwendung als Nasenspray ist bei einer Allergie zu bevorzugen, da die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Nebenwirkungen so deutlich geringer ist. Kinder sollten Antihistaminika nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt anwenden.

  •  Glukokortikoide gegen die Pollenallergie

Glukokortikoide stellen das wohl wirksamste Mittel gegen allergische Symptome dar. Nasal verabreicht unterdrücken sie sämtliche Symptome, inklusive der Verengung der Nasenschleimhaut. Antihistaminika hingegen können diese Verengung nicht beheben. Allergiker, die Cortisonnasensprays verwenden, sind meist vollkommen beschwerdefrei. Nebenwirkungen sind bei ausschließlich nasaler Anwendung indes unwahrscheinlich. Eine systemische Anwendung von Glukokortikoiden ist aufgrund der vielfältigen Nebenwirkungen jedoch nur in Ausnahmefällen und zeitlich streng begrenzt sinnvoll. Allergiker müssen für die Behandlung mit Glukokortikoiden – auch in Form von Nasensprays – einen Arzt aufsuchen, da diese Mittel verschreibungspflichtig sind.

  • Sympathomimetika

Nasal verabreichte Sympathomimetika beheben die Verengung der Nasenschleimhaut. Gegen die weiteren allergischen Symptome sind sie jedoch nicht wirksam. Ihre Verabreichung ist daher nur in Verbindung mit der Gabe von Antihistaminika sinnvoll. Sie sollten jedoch nur über einen kurzen Zeitraum gegeben werden, da sie selbst eine Entzündung der Nasenschleimhaut auslösen können. In der modernen Allergiebehandlung werden sie kaum noch eingesetzt, da die Kombination aus Sympathomimetika und Antihistaminika der nasalen Gabe von Glukokortikoiden unterlegen ist.

  • Nasenduschen als Hausmittel bei Pollenallergie

Nasenduschen sind als „Hausmittel“ in der Allergiebehandlung durchaus sinnvoll. Die dafür notwendigen Apparaturen – ebenfalls Nasenduschen genannt – sind in Drogerien für rund zehn Euro erhältlich. Darüber hinaus ist sog. „Nasenspülsalz“ nötig, das ebenfalls günstig in der Drogerie erworben werden kann. Diese Nasenduschen spülen die Nasenschleimhaut. Pollen und andere in der Nase befindliche Allergene werden so durch das Salzwasser effektiv nach außen befördert. Die Anwendung einer Nasendusch empfiehlt sich nicht nur bei einer Pollenallergie, sondern auch bei Erkältungen und Nasennebenhöhlenentzündungen. Das nachfolgende Video zeigt die korrekte Anwendung einer Nasendusche.

  • Abends duschen

Wer unter Heuschnupfen leidet, sollte abends duschen. Wichtig ist, dass Sie im Zuge dieser abendlichen Dusche auch Ihre Haare gründlich waschen. Über den Tag hinweg verfangen sich immer wieder kleinere Pollen in den Haaren. Um eine weitgehend ruhige Nacht sicherstellen zu können, müssen diese restlos vom Körper entfernt werden.

  • Das Schlafzimmer von Pollen befreien

Darüber hinaus sollte darauf geachtet werden, dass sich im Schlafzimmer keine Pollen befinden. Bewahren Sie Kleidung, die Sie außerhalb des Hauses getragen haben, daher nicht im Schlafzimmer auf. Zudem ist ein Pollenschutzgitter am Fenster sinnvoll. Ebenfalls ratsam ist Bettwäsche, die für Allergiker geeignet ist. Diese hilft zwar nicht gegen Pollen, verhindert jedoch den Kontakt mit Hausstaubmilben, gegen die viele Pollenallergiker ebenfalls allergisch sind. Durch diese Maßnahmen wird erholsamer Schlaf sichergestellt.

  • Viel Wasser trinken

Wasser sollte der ständige Begleiter eines Allergikers sein. Wer viel trinkt, befeuchtet die Schleimhäute und sorgt damit für eine Reizlinderung. Darüber hinaus können Pollen auf feuchten Schleimhäuten wesentlich schlechter anheften als auf trockenen.

Fazit

Eine Pollenallergie sollte immer durch eine Hyposensibilisierung behandelt werden. Diese spezifische Immuntherapie ist zwar langwierig, kann die Allergie jedoch vollständig beseitigen. Sofortmaßnahmen und Hausmittel können helfen, die Symptome der Allergie zu lindern und den Alltag weitgehend beschwerdefrei zu gestalten. Medikamente sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden. Kinder und Personen mit chronischen Erkrankungen, die unter Heuschnupfen leiden, müssen besonders vorsichtig sein. Hausmittel wie Nasenduschen sind sinnvoll. Darüber hinaus helfen einfache Verhaltensmaßnahmen.

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