Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an psychischen Erkrankungen. Depressionen, Störungen des Essverhaltens, Schlaf- oder Angststörungen sind auch unter ihnen keine Seltenheit. Der nachfolgende Artikel soll psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen genauer betrachten. Wie entstehen sie, wie äußern sie sich und was kann unternommen werden? Vor allem die Risikofaktoren und Entstehensbedingungen werden eingehend betrachtet werden.

Stress und Leistungsdruck als zentrale Faktoren für psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Psychische Erkrankungen können viele Ursachen haben. In vielen Fällen entstehen sie durch Bedingungen in der Schule oder in der Familie. Eine bedeutende Ursache für den Anstieg psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist Stress, der unter anderem durch zu hohe Lernziele ausgelöst werden kann. Die Leistungsanforderungen in der Schule haben im Laufe der Jahre nicht unbedingt zugenommen, der mit ihnen einhergehende Druck ist beispielsweise durch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums jedoch deutlich gestiegen. Darüber hinaus haben auch die Anforderungen von Seiten der Eltern immer mehr zugenommen. Sie fordern viel von ihren Kindern und setzen sie stark unter Druck.

Psychische Erkrankungen nehmen mit einem höheren Alter und den steigenden Anforderungen immer mehr zu. Neben den durch das Lernen ausgelösten Stress tritt Erwartungsdruck, der meist von den Eltern ausgeht. Sie stellen Erwartungen an ihre Kinder – sie sollen einen guten Abschluss erzielen, einen Plan für die Zukunft entwickeln und möglichst fehlerfrei sein. Nicht selten werden durch derart übersteigerte Erwartungen Versagensängste ausgelöst, was den Stressfaktor noch einmal enorm steigert.

Bei jüngeren Kindern erkennen Eltern häufig nicht, dass ihre Kinder neben den vielen außerschulischen Aktivitäten, zu denen Eltern mitunter drängen, da sie sie für förderlich halten, keine Zeit für sich selbst oder zum Abschalten haben. Viele Eltern wollen ihren Kindern heutzutage viel bieten: Sport, ein Musikinstrument, Fremdsprachenunterricht etc. Obwohl diese Aktivitäten Freizeitaktivitäten sind, setzen sie die Kinder und Jugendlichen unter Druck und lassen ihnen keinen Zeitraum für Erholung. Viel sinnvoller wäre es, den Kindern und Jugendlichen die Freiheit zu geben, selbst über ihre Freizeit zu entscheiden – vielleicht wollen sie sich mit Freunden treffen oder anderen Aktivitäten nachgehen. Durch derartige Freiräume nimmt der Stress, der auf ihnen lastet, deutlich ab. Eltern sollten also auf das Durchplanen der Freizeit ihrer Kinder verzichten – andernfalls fühlen die Kinder sich im schlimmsten Falle  nicht nur bevormundet, sondern haben keine Zeit zur Regeneration.

Einen weiteren Faktor stellen normale bzw. durchschnittliche Leistungen jeglicher Art dar, die abgewertet oder problematisiert werden. Damit sind Leistungen gemeint, die sich auf viele Lebensbereiche wie beispielsweise Noten in der Schule, das Aussehen, fehlende Talente, fehlendes Engagement etc. beziehen. Häufig wird an die Kinder und Jugendliche die Erwartung herangetragen, sie müssten besonders gut sein und immer im positiven Sinne herausstechen. So kommen sie bereits in der Schulzeit mit extremem Leistungsdenken in Kontakt. Nicht selten werten Eltern die Leistungen ihrer Kinder ab, wenn sie nicht herausragend sind – eine durchschnittliche Note in der Klassenarbeit führt nicht zu Lob und Anerkennung, sondern zu einer Standpauke, die darauf abzielt, dem Kind die Notwendigkeit von besten Leistungen deutlich zu machen.

Kinder und Jugendliche fühlen sich dadurch meist unter Druck gesetzt, entwickeln Versagensängste und verlieren an Selbstvertrauen, was nicht selten zu Rückzug und Isolation führt, wodurch das Entstehen psychischer Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen noch weiter begünstigt wird. Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen sollten Kindern und Jugendlichen niemals vermitteln, dass Anerkennung und Lob nur bei im Wettbewerb mit Mitschülern herausragenden Leistungen zu erhalten sei. Andernfalls wird den Kindern und Jugendlichen vermittelt, so wie sie sind nicht gut genug zu sein.

Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen
Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu.

Gesellschaftlicher Druck, Mobbing und Co

Auch anderer gesellschaftlicher Druck bringt negative Wirkungen mit sich. Vor allem in sozialen Netzwerken wie Instagram kommen Kinder und Jugendliche bereits sehr früh in ihrer Entwicklung mit Schönheitsidealen in Kontakt, die kaum zu erfüllen sind. Den Kindern und Jugendlichen kann so ein negatives Körper- und Selbstbild vermittelt werden, was wiederum zu Verlust an Selbstvertrauen und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder allgemein mit sich selbst führen kann.

Die Kinder und Jugendlichen wollen genauso aussehen wie Models und andere Personen, die sich im Internet präsentieren. Sie wollen die gleiche Figur haben, genauso schön sein und nehmen dafür einiges in Kauf. Im Zuge der Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren entwickeln sie im schlechtesten Falle Essstörungen. Hierbei ist anzumerken, dass es sich bei der Entwicklung einer Essstörung nicht um eine bewusste Entscheidung handelt. Die Betroffenen sind unzufrieden mit ihrem Körper, haben ein Selbstbild, das nicht mit der Außenwahrnehmung übereinstimmt, und sind von diesem schlechten Selbst- und Körperbild überzeugt. Häufig wird das gestörte Essverhalten zudem zwanghaft. Besonders in der Pubertät sind Jugendliche unzufrieden mit ihrem Körper und somit anfällig für derartige Störungen.

Eine weitere wichtige Ursache stellt das Mobbing dar, welches in der heutigen Zeit zunehmend in den Bereich des Internets verlagert wird. Letzteres ist auch als Cybermobbing bekannt. In der Schule und auch in den sozialen Netzwerken werden Kinder und Jugendlichen von Gleichaltrigen ausgeschlossen und verbal und/oder körperlich drangsaliert. Betroffene fühlen sich verängstigt, hilflos und verlieren an Selbstvertrauen. Sie ziehen sich zurück, fühlen sich verzweifelt und isoliert und entwickeln zahlreiche Symptome und Erkrankungen – von Schlafstörungen über psychosomatische Beschwerden, Ängste und Depression bis hin zu Suizidgedanken. Mobbingopfer leiden in vielen Fällen auch nach dem Ende des Mobbings weiter. Sie haben das Grundvertrauen in andere Menschen verloren, was in einigen Fällen dazu führt, dass es den Betroffenen ihr Leben lang schwerfällt, Beziehungen zu Mitmenschen aufzubauen. Im schulischen Kontext können auch der rapide Rückgang schulischer Leistungen sowie der ausgeprägte Wunsch, der Schule fernzubleiben auf Mobbing hindeuten.

Das mit dem Aufblühen sozialer Netzwerke aufkommende Cybermobbing unterscheidet sich auch dadurch vom herkömmlichen Mobbing, dass Rückzugsräume fehlen. Das Internet ist nicht ortsgebunden. Die Mobber und ihre Angriffe sind daher auch zuhause in einer eigentlich geschützten Umgebung immer präsent – nicht nur gedanklich.

Weitere Informationen zu Mobbing und seinen Auswirkungen finden sich hier.

Familiäre Probleme

Als letzte Ursache gelten Probleme in der Familie. Diese können durch Streit aber auch durch die Überforderung der Eltern mit den Kindern und dem Haushalt auftreten. Wenn die Kinder beispielsweise ihre Eltern pflegen , viel im Haushalt helfen oder ihre Geschwister aufziehen müssen oder die Eltern keine Zeit für ihre Kinder haben, belastet das die Kinder und Jugendlichen sehr. Neben der Schule haben sie keine freie Zeit für sich und müssen sich mit Dingen befassen, für die sie nicht gerüstet sind und welche noch nicht zu ihren Aufgaben gehören. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass Kinder psychisch kranker Eltern selbst deutlich häufiger psychisch erkranken als Kinder psychisch gesunder Eltern.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten als kompetente Ansprechpartner

Um psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken, ist es wichtig, dass kein zu hoher Druck auf sie ausgeübt wird. Zudem ist darauf zu achten, dass sie ausreichend Zeit für sich haben, spielen, lesen etc. Werden Symptome bemerkt, ist es wichtig, das Gespräch zu suchen. Liegt der Verdacht auf eine psychische Erkrankung vor, ist ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut aufzusuchen. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind kompetente Ansprechpartner. Sie diagnostizieren und behandeln psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

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