Sprachheilpädagogik, Sprachtherapie, Logopädie: Ein Überblick

Sprachtherapie, Logopädie und Sprachheilpädagogik unterscheiden sich in der praktischen Tätigkeit kaum bis gar nicht. Aus diesem Grunde werden Sprachtherapeuten und -therapeutinnen sowie Sprachheilpädagogen und -pädagoginnen von vielen Menschen oft fälschlich als Logopäden bzw. Logopädinnen bezeichnet. Letztere Berufsbezeichnung ist in der Allgemeinbevölkerung bekannter und weiter verbreitet.
Unterschiede zwischen den drei Berufen gibt es allerdings schon – und zwar in ihrer Ausbildung. Sprachheilpädagogen und -pädagoginnen sowie andere akademische Sprachtherapeuten und -therapeutinnen studieren in der Regel drei bis fünf Jahre an einer Universität und müssen für eine Kassenzulassung mit eigener Praxis erst eine vorgegebene Anzahl an Therapien und Praktika absolviert haben. Mögliche Studiengänge sind beispielsweise Sprachtherapie, Klinische Linguistik, Rehabilitationspädagogik mit Schwerpunkt Sprachtherapie oder Patholinguistik. Logopäden dagegen besuchen eine Logopädiefachschule. Nach einer dreijährigen Ausbildung und vorhandenem Abschluss dürfen Logopäden sofort eine eigene Praxis eröffnen. Neuerdings existieren auch dreijährige Logopädiestudiengänge.

Sprachtherapie: Das Aufgabenspektrum

Wie bereits erwähnt sind alle drei Berufe in ihrer Tätigkeit deckungsgleich. Sie behandeln Sprach-, Sprech-, Schluck- und Stimmstörungen sowie Hörbeeinträchtigungen. Arbeitsfelder sind die Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Beratung, Förderung, Therapie und Rehabilitation. Behandelt werden Säuglinge, Klein- und Schulkindern, Jugendlichen sowie Erwachsene – Sprachtherapeuten arbeiten also mit Personen jedes Alters. Spezielle Störungen, die behandelt werden, sind folgende:

– Aphasien: Verlust des Sprechvermögens oder Sprachverstehens infolge einer Erkrankung des Sprachzentrums im Gehirn z. B. nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma
– Dysarthrie: Koordinationsstörung von Stimme, Artikulation, Atmung und Tonus z. B. bei infantiler Zerebralparese, Parkinson-Erkrankung, Amyothrophischer Lateral-Sklerose, Multipler Sklerose, nach Schlaganfällen oder nach Schädel-Hirn-Traumata
– Dysgrammatismus: eingeschränkte grammatikalische Fähigkeiten
– Dyslalien: Sprech- und Artikulationsfehler, Lispeln (Stammeln)
– Dysphagie: neurologische Schluckstörungen z. B. nach Schlaganfall oder bei infantiler Zerebralparese, postoperative Schluckstörungen z. B. nach Entfernung von Rachen- oder Zungenteilen aufgrund von Tumoren
– Dysphonien: Stimmstörungen
– eingeschränkter Wortschatz
– Phonologische Störungen
– Redeflussstörungen: Stottern, Poltern
– Sprach- und Sprechstörungen in Folge einer Demenz
– Sprachentwicklungsstörungen und -verzögerungen bei Kindern
– Sprechtonänderung im Rahmen geschlechtsangleichender Behandlungen
– Störungen der auditiven Wahrnehmung
– Stimm- und Sprechbildung
– Schreib- und Lesestörungen

Die Vorgehensweise in Sprachtherapie, Sprachheilpädagogik und Logopädie

Wenn Patienten im Erwachsenen- und Kindesalter nicht sprechen (können), versucht der Therapeut die Person für die Sprache zu sensibilisieren, indem Gesichts- und Mundpartien massiert bzw. durch Vibration stimuliert werden.
Bei Kindern ist zudem häufig zu beobachten, dass sie die deutsche Sprache nicht korrekt beherrschen. Aus diesem Grund werden häufig Wortschatz- sowie Grammatikübungen durchgeführt. Zudem kommt es häufig vor, dass besonders Kinder im Vorschulalter bestimmte Laute nicht richtig artikulieren können.
Sprachtherapeuten arbeiten auch mit Menschen mit geistiger Behinderung und Lernbehinderung. Häufig spielen Wortschatz, Grammatik und Konzentration in der Therapie eine entscheidende Rolle. Es kann aber auch vorkommen, dass besonders kleine Kinder gar nicht sprechen. Auch hier werden die Kinder dafür sensibilisiert, Laute von sich zu geben.
Sprachtherapien werden in der Regel in Einzelsitzungen durchgeführt. In der ersten Stunde findet eine Diagnose statt und es wird mit der erziehungsberechtigten Person bzw. der Person selbst besprochen, wie der Therapeut bzw. die Therapeutin in den kommenden Stunden vorgehen möchte. Nach jeder Therapiestunde werden Protokolle, Verlaufsbeobachtungen und -auswertungen angefertigt, damit der Verlauf der Therapie kontinuierlich kontrolliert werden kann.
Häufig werden Fortschritte erst nach längerer Zeit sichtbar. Aus diesem Grund können Therapien Monate oder Jahre dauern. Verordnet werden die Therapien vom Arzt. Sie werden dann auch von der Krankenkasse bezahlt.
Bei Kindern wird im Rahmen der Therapie auf pädagogische Spiele zurückgegriffen, welche nebenbei zu einer Besserung der Symptomatik führen. Sprachheilpädagogen und Logopäden können eine eigene Praxis besitzen, in einer Praxis angestellt sein aber auch in Einrichtungen wie beispielsweise (integrativen) Kindergärten und Schulen, Rehakliniken, Krankenhäusern und Altenheimen arbeiten. Es können auch Hausbesuche stattfinden, welche jedoch vom Arzt verschrieben werden müssen. Die Therapeuten und Therapeutinnen stehen im regelmäßigen Austausch mit Kinderärtzen und -ärztinnen oder anderen Behandelnden.

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