Winterdepression: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Winterdepression ist durch depressive Symptome, die wiederholt im Herbst und Winter auftreten, gekennzeichnet. Sie unterscheidet sich jedoch nicht nur im saisonal begrenzten Auftreten und in der Symptomstärke von anderen depressiven Erkrankungen, sondern auch hinsichtlich der Ursachen und der Art der Symptome. Wie sie entsteht, wodurch sie sich auszeichnet und wie sie behandelt werden kann, verraten die folgenden Zeilen.

Die Symptome der Winterdepression

Gekennzeichnet ist die sog. Winterdepression zunächst durch depressive Symptome wie Antriebslosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit und depressiv-gedrückte Stimmung. Hinzu kommen einige der typischen Zusatzsymptome einer Depression – bei der Winterdepression meist Schlafstörungen und Müdigkeit. Viele andere klassische Symptome der Depression – das Gefühl der Gefühllosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, Gedankenkreisen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle oder Minderwertigkeitsgefühle – treten hingegen nicht oder nur in schwacher Form auf.

Im Rahmen der Winterdepression sind die Symptome außerdem generell meist weniger stark ausgeprägt als bei anderen depressiven Störungen. Darüber hinaus treten bei der saisonal-bedingten Depression in aller Regel auch atypische Symptome auf. So kommt es bei der Winterdepression oft zu einer verlängerten Schlafdauer, zu Kohlenhydratheißhunger und zu Gewichtszunahme.

Was jedoch unbedingt zu beachten ist: Der Mensch ist in der dunklen Jahreszeit prinzipiell weniger aktiv und benötigt mehr Ruhe. Wer also feststellt, dass er im Winter ein höheres Ruhebedürfnis aufweist oder sich weniger fit fühlt als im Sommer, leidet nicht an einer Winterdepression. Darüber hinaus zählen Melancholie, Traurigkeit, Sorgen, Ängste und schlechte Tage ebenso zum Leben wie ihre Gegenteile – auch im Herbst und Winter. Wer traurig oder schlecht gelaunt ist, ist nicht gleich depressiv.

An dieser Stelle sei noch allgemeiner auf das weit verbreitete Vorurteil, Depression sei mit Traurigkeit gleichzusetzen, hingewiesen: Es ist schlicht falsch! Wer an einer Depression leidet, ist nicht traurig. Häufig verfügt er nicht einmal mehr über die Fähigkeit, Emotionen wie Trauer oder Freude zu empfinden – seine Stimmung ist gedrückt und gedämpft, mitunter fühlt er sich leer und gefühllos oder niedergeschlagen und verzweifelt.

Winterdepression: Ursachen

Als Ursachen der Winterdepression werden die Folgen der typischen Merkmale der dunklen Jahreszeit angenommen. Vor allem der Lichtmangel scheint bei der Entstehung dieser Erkrankung eine entscheidende Rolle einzunehmen. So wird angenommen, dass aufgrund des wenigen Lichts und der geringeren Lichtintensität Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus auftreten. Diese Theorie beruht auf der Beobachtung, dass der Lichteinfall auf die Netzhaut in direkter Verbindung mit der Ausschüttung des Hormons Melatonin steht, welches den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Darüber hinaus nehmen Wissenschaftler auch eine Serotoninbeteiligung an der Entstehung der Winterdepression an. Darüber hinaus vermuten viele Forscher einen Einfluss des im Winter bei vielen Europäern nachzuweisenden Vitamin-D-Mangels. Vitamin D wird bei UV-Bestrahlung, welche im Winter aufgrund des Mangels an Sonnenlicht sowie aufgrund des ungünstigeren Einfallswinkels des Lichts kaum gegeben ist, in der Haut gebildet.

Hier kann auf einen bedeutenden Unterschied zu anderen depressiven Erkrankungen hingewiesen werden: Psychosoziale Faktoren können das rein saisonale Auftreten der Winterdepression nicht erklären. Während sie bei der Entstehung sonstiger depressiver Erkrankungen eine zentrale Rolle einnehmen, scheinen sie bei der Winterdepression von untergeordneter Bedeutung zu sein.

Was jedoch zu beachten ist: Auch andere depressive Erkrankungen können – ganz unabhängig von den Auswirkungen der Jahreszeit – im Herbst oder Winter beginnen. Ein Krankheitsbeginn in der dunklen Jahreszeit ist also kein Beweis für das Vorliegen einer Winterdepression. Das Vorliegen einer solchen ist erst gesichert, wenn die Symptome wiederholt im Herbst und Winter auftreten und nach dem Übergang in den Frühling von selbst verschwinden.

Die Behandlung der Winterdepression

Die typische Behandlung der leichten Winterdepression besteht in der Lichttherapie, die sich bewährt hat. Spezielle Tageslichtlampen sind im Fachhandel erhältlich und beheben mit dem Lichtmangel die Ursache der Winterdepression. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Innenbeleuchtung können sie die Intensität des natürlichen Tageslichts gut imitieren und lösen so die physiologischen Effekte aus, die normaler Tageslichteinfall bewirken würde.

Helles weißes Licht mit einer Strahlkraft von 10.000 Lux hat sich in mehreren Studien sowie in der Praxis bewährt und wird von Ärzten meist als Mittel der Wahl empfohlen. Empfohlen wird die zweimal tägliche Anwendung mit einer Anwendungsdauer von zwanzig bis 40 Minuten. In schweren Fällen der Winterdepression kann auch eine medikamentöse Behandlung nötig sein.

Es ist jedoch von großer Bedeutung, einen Arzt aufzusuchen, wenn Symptome verspürt werden. Betroffene sind in aller Regel nicht in der Lage, eine Winterdepression von anderen psychischen oder physischen Erkrankungen zu unterscheiden. Die Ursachen einer Winterdepression unterscheiden sich jedoch deutlich von den Ursachen anderer Erkrankungen, die auf den ersten Blick ähnlich erscheinen. Auch die erforderlichen Therapiemaßnahmen unterscheiden sich stark von denen, die bei scheinbar ähnlichen Erkrankungen nötig sind. Selbstdiagnose und Selbstbehandlungen sind also kaum möglich und in keinem Falle empfehlenswert.

Suchen Sie also umgehend einen Arzt auf, wenn Sie denken, an einer Winterdepression zu leiden. Nach sorgfältiger Anamnese und Diagnostik wird der Arzt eine Diagnose stellen und eine Behandlung einleiten. Dieser Artikel kann – ebenso wenig wie andere Lektüre – keine ärztliche Diagnose ersetzen.

Einer Winterdepression vorbeugen

Einer Winterdepression kann auf überraschend einfachem Wege vorgebeugt werden: durch Licht. Mit den folgenden Tipps kann eine Winterdepression in der Regel vermieden werden:

• Regelmäßige Spaziergänge im Freien
• Regelmäßiger leichter Sport
• Präventive Nutzung einer Tageslichtlampe

 

Tipps zur körperlichen Gesundheit in der kalten, dunklen Jahreszeit finden sich hier.

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